Meine Tiergeschichten

Im Laufe meiner Tätigkeit in meiner biologischen Tierpraxis und im Tierschutz haben sich viele lustige und traurige Geschichten angesammelt. Hier möchte ich einige mit Ihnen teilen.



Mein Papagei Coco (Geiermeier)


Coco war ein sehr armer Vogel er wurde gequält und kam über den Tierschutz zu mir. Er konnte nicht mit anderen Vögeln gehalten werden. Ich weiß nicht was er früher erlebt hat, aber er hasste Männer. Mein Mann konnte seine Zimmer nicht betreten. Bei uns zog er in eine Katzenplüschpyramide ein, obwohl er ja ein Vogel war. Seine „Wohnung“ räumte er stets penibel auf. Es war immer eine Freude ihm dabei zuzuschauen. Er war immer beschäftigt, versuchte beschlagnahmte Kanarienvögel, mit denen er sein Zimmer teilte, aus der Voliere zu befreien und „dekorierte“ mit Vorliebe die Tapete mit dem Schnabel um. In „seinem“ Zimmer stand mein Keyboard. Er liebte es, wenn ich darauf spielte. Es war immer eine wunderschöne Zeit für mich mit ihm. Unseren Pflegehasen benutzte er als Reittier. Er war dabei sehr vorsichtig und schadete dem Hasen nicht. Leider lebt er heute nicht mehr. Als er noch lebte hatte er panische Angst vor der Dunkelheit. Ich konnte ihn deshalb nicht beerdigen. Ich entschloss mich ihn präparieren zu lassen. Auf dem Weg zum Präparator schaltete ich das Radio an. Es spielte unser Lieblingslied, genau das, welches wir immer zusammen gespielt haben. Zuvor hatte ich dieses Lied lange nicht mehr im Radio gehört, später auch nicht mehr. Es war als wäre dieses Lied ein letzter Abschied für ihn. Heute „bewacht“ er „sein“ Stockwerk von der Wand aus. Keyboard spielen macht seit seinem Tod irgendwie keinen Spaß mehr.


Tacolo – noch eine Papageiengeschichte

Papagei „Tacolo“ kam über das Tierheim zu mir. Er war immer traurig, wir wussten nicht warum und konnten ihn auch nicht aufmuntern. Eines Tages machte ich wegen einer kranken Katze einen Hausbesuch. Die Besitzerin der Katze hatte auch einen Papagei. So kamen wir ins Gespräch. Sie erzählte mir traurig, dass sie ursprünglich 2 Papageien hatte. Sie waren den Nachbarn zu laut und sie musste sich deshalb von einem trennen. Der übrig gebliebene Papagei sei seitdem sehr traurig. Ich fragte weiter nach und fand heraus, dass die beiden Papageien ihr ganzes Leben zusammen waren, bevor sie getrennt wurden. Wir redeten noch eine Weile und stellen fest, dass mein trauriger Papagei der Partner zu ihrem war und gar nicht Tacolo hieß. Eigentlich sollte ich nur eine Katze behandeln, jetzt kam ich mit einem weiteren Papagei nach Hause. Es war eine Wahnsinnsfreude die beiden zu erleben, als sie sich wieder sahen. Sie schnäbelten und knuddelten und waren endlich beide wieder fröhlich.


Tödliches Tierfutter 

Dies ist eine sehr tragische Geschichte. Sie hat gezeigt wie wichtig es heute ist „um die Ecke“ denken zu können. Eine Frau kam mit einem kranken Leguan in meine Praxis. Ich kannte das Tier und seine Halterin schon länger. Sie liebte ihr Tier und sammelte immer frische Wiesenkräuter für ihn. Umso trauriger war sie nun, als er plötzlich unerwartet krank wurde. Sie konnte sich nicht erklären was er hatte und ich zunächst auch nicht. Er wirkte auf mich wie jemand nach Einnahme einer Überdosis eines blutdrucksenkenden Mittels, aber seine Besitzerin hatte keine solchen Medikamente. Kurz darauf kamen beide wieder in meine Praxis. Seine Besitzerin hatte in seinem Maul eine leere Gelatinekapsel gefunden. Ein mir bekannter Mediziner bestätigte meinen Verdacht. Das Tier hatte wohl ein blutdrucksenkendes Mittel für Menschen gefressen. Seine verzweifelte Besitzerin konnte sich nicht erklären wie die Tablette in das Futter des Tieres gekommen sein könnte. Im Laufe des Gespräches fand ich heraus, dass die Dame die frischen Wildkräuter immer am Rand eines beliebten Wanderweges gepflückt hatte. Da lag die Erklärung nahe. Das Medikament muss einem Spaziergänger aus der Tasche gefallen sein. Die Gelatinekapsel hat sich an die feuchten Kräuter geklebt und ging auch beim Waschen nicht ab. Ich konnte leider das Leben des Tieres nicht retten, das Medikament hat es zu sehr geschädigt. Seine Besitzerin hat heute einen neuen Leguan. Für diesen sammelt sie immer noch Wildkräuter, aber weit weg von Spazierwegen.


Betty-die „Seegurke“ 

Ich hatte schon 4 Hunde, aber als ich Betty beim Tierschutz sah, konnte ich sie nicht dort lassen. Sie ist ein Mops, hat nur ein Auge und sie war furchtbar ängstlich. Als ich mit ihr nach Hause kam, war die Verwirrung groß. Meine anderen Hunde konnten mit dieser „Seegurke“ ohne Schnauze nichts anfangen. Es ging eine Weile, bis sie verstanden hatten, dass dieses „komische“ Tier auch ein Hund ist. Jetzt ist sie ein wichtiger Bestandteil unseres Rudels. Sie bringt uns durch ihre lustige Mimik immer wieder zum Lachen. Man muss sie einfach lieb haben. Ich werde nie verstehen, wie manche Menschen so grausam sein können und so goldige Tiere quälen. Betty geht es jetzt wieder gut, sie wird geliebt und so nimmt sie es uns auch nicht übel, dass wir sie „Seegurke" nennen. Sie sieht aber einfach ein wenig so aus...


Ein uralter Fisch
Leider lebt er nicht mehr, aber er hat mich lange erfreut. Er war ein Wels und er war schon recht alt, als er bei mir abgegeben wurde. Er sollte bei mir sein Gnadenbrot bekommen. Er wurde älter und immer älter. Zuletzt war er über 20 Jahre alt. Umso trauriger war sein Tod. Ich holte ihm neue Pflanzen in sein Aquarium. Leider schleppte ich damit auch Saugwürmer ein. Sein doch schon recht alter 0rganismus hatte keine Chance. Schweren Herzens musste ich zusehen wie er starb.Trotz der Traurigkeit über seinen Tod, war ich froh, dass er überhaupt so alt wurde.


Gedanken zum Tierschutz 

 Diese Geschichten sind nur einige wenige, die ich bisher in meiner Praxis, bei meiner Tierschutzarbeit und Privat erlebt habe. Tiere sind ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich werde nie verstehen und nie akzeptieren, dass manche Menschen Tiere schlecht behandeln, quälen oder vernachlässigen und ich möchte alle Menschen bitten, sich die Anschaffung eines Tieres gut zu überlegen. Gekauft ist ein Tier schnell, aber bei schlechter Haltung leiden sie ein Leben lang. 0ft ist es nichteinmal böser Wille, der zu Tierquälerei führt, sondern fehlendes Fachwissen. Bitte informieren Sie sich genau über die Bedürfnisse der gewünschten Tiere bevor Sie diese kaufen. Viel zu oft gibt es Reptilien mit Verbrennungen und Überhitzungsschäden wegen falscher Beleuchtung. Kleintiere und Vögel fristen ihr Dasein in viel zu kleinen Käfigen. Tiere werden ausgesetzt oder kommen ins Tierheim weil sie zu viel Zeit und Geld kosten. Das passende Tier kann uns lange Freude schenken, falsch gehaltene Tiere leiden ein Leben lang. Informationen erhalten sie von den Tierschutzvereinen. Sie haben auch die Möglichkeit mich in meiner biologischen Tierpraxis zu fragen. Für interessierte Tierhalter stehen auch viele Fortbildungen des SZS zur Verfügung.